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KreuschBros.

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Johannes Tonio Kreusch

Cornelius Claudio Kreusch
Cornelius Claudio Kreusch

Die KreuschBros. – das sind der Pianist Cornelius Claudio Kreusch und der Gitarrist Johannes Tonio Kreusch. Das erste gemeinsame Projekt der aus München stammenden Brüder ist TWO WORLDS ONE. Im Interview erzählen die beiden, wie es dazu kam, was die Botschaft ist und warum die Welt so lange warten musste, bis es zu diesem so naheliegendem und trotzdem außergewöhnlichem Album kam.

Warum “TWO WORLDS ONE”? Welche Welten verbergen sich hinter dem Titel der CD?

CCK: „Johannes & ich sind, obwohl Brüder, doch sehr unterschiedliche Menschen & Musiker. Gitarre – Klavier, Interpretation – Improvisation, klassich – Jazz. Aber uns vereint eben die Abstammung vom selben Stamm. Wir sind aus demselben Holz geschnitzt & sind jeweils auf der Suche nach unserem jeweiligen musikalischen Ausdruck. Er verbindet sich auf besondere Weise, wenn wir miteinander musizieren. Es sind aber auch die Welten der verschiedenen Musiker, die sich hier weiter in der Schnittmenge treffen. Die der Brasilianerin mit arabischem Namen & die des Amerikaners mit arabischen Namen. Im Gesamten, die der Suchenden zwischen den Genres. Vier Menschen machen Musik & verbinden zwei Welten zu einer. Wenn man will, suchen wir hier das Inne-Wohnende.“

JTK: „Musik verbindet – das soll der Titel ausdrücken. Für uns steht das Entdecken im Vordergrund. Cornelius und mich hat immer interessiert, Wege jenseits des Konventionellen zu gehen. Dazu gehört auch immer wieder mit Musikern der verschiedensten Stilrichtungen und Kulturen Projekte zu realisieren, wie jetzt mit Badi Assad und Jamey Haddad auf unserem aktuellen Album“

by Joe Cornish
by Joe Cornish

Wann und wie kam es zu der Begegnung von euch Musikern? Wie habt ihr euch kennengelernt?

CCK: „Jamey Haddad ist mir schon während meiner Zeit in Boston in den 90ern aufgefallen, als er dort gelehrt hat. Angesprochen habe ich ihn kurz vor der Jahrtausendwende in New York & er war sofort bereit unser Konzert dort im Goethe Institut mitzugestalten. Das war die Geburtsstunde dieses Sounds, der ohne ihn nicht so denkbar wäre.“

JTK: „Badi Assad habe ich schon lange bewundert. Sie besitzt eine großartige und innovative Gitarrentechnik und verbindet diese mit ihrer grandiosen Stimme zu einem unverwecheslbaren Sound. Wir haben uns auf verschiedenen Festivals kennen- und schätzen gelernt. Und sie war sofort angetan, als Cornelius und ich sie fragten, ob sie auf unserem Album dabei sein möchte. Es ist wunderbar, dass sowohl Badi als auch Jamey, die mit ihren eigenen Projekten immer viel auf Tour sind, sich unserer Musik verschrieben haben und Teil des Projektes sind.“

Wie kam es zu der Idee, gemeinsam ein Album aufzunehmen und wieso dauerte die Realisierung so lange?

Cornelius Claudio Kreusch, Jamey Haddad, Badi Assad, Johannes Tonio Kreusch

CCK: „Die letzte Probe zum Album war einen Tag vor dem 11. September in New York & der erste Aufnahme-Tag einen Tag nach dem 11. September in New York. Man kann sich vorstellen, welche Zäsur dieses Ereignis hinterlassen hat, besonders, wenn man diese Zeit hautnah & in Sichtweite miterlebt hat. Die Welten aller Menschen wollten danach neu geordnet werden & wir können wirklich von einer Zeitenwende sprechen, die dieses Ereignis offensichtlich mit sich gebracht hat. Die Berührtheit, die wir in die Aufnahmesession & die Musik haben einfließen lassen, unbewußt, musste erst wieder neu entdeckt werden über die Jahre. Und so haben wir immer mal wieder daran gefeilt & reduziert, bis es unserer Botschaft entsprach. Dazu haben dann ganz besonders die Stimme & die ergreifenden Texte von Badi Assad beigetragen.“

JTK: „Wir waren an dem Tag in unserem Loft in der Lower East Side und haben alles mit eigenen Augen gesehen, den zweiten Flugzeugeinsturz und wenig später den Einsturz der Türme. In den Tagen danach lebten wir in dem abgesperrten Bezirk, was völlig skurril für uns war, weil dort normalerweise das Leben pulsiert. Es ist sonst alles laut, unablässig fließt der Verkehr, es sind immer viele Menschen unterwegs und plötzlich war Stille in diesen Tagen, absolute Stille. Wir haben in dieser Zeit gemerkt, wie behütet wir in der westlichen Welt aufwachsen und was es wohl heißen mag, in Kriegsgebieten leben zu müssen. In dieser Zeit, in der kein normales äußerliches Leben möglich war, war unsere einzige Ausdrucksmöglichkeit mit dem Erlebten umzugehen, zu musizieren. Wir haben über die Jahre hinweg immer wieder an den Aufnahmen gearbeitet und gefeilt. Auch waren wir beide in vielen anderen Projekten eingebunden. Aber vielleicht hat es die zeitliche Distanz gebraucht, um das zu werden, was wir heute hören können.“

Gab es während der Arbeiten für das Album „Magic Moments“ zwischen euch?

CCK: „Entschuldigung, aber der 11. September als gleichzeitiges Ereignis zum Entstehungszeitpunkt der Musik: Wir waren nur noch auf der Suche nach dem Sinn. Was Musik uns, unseren Zuhörern & als Schwingung für die Welt beitragen kann. Wenn wir Menschen bewegen, dann können wir sagen, das ist magisch. Wenn der Klang bleibt, dann sind wir froh.“

JTK: „Für mich war magisch, dass wir vier eine gemeinsame, eigene musikalische Sprache gefunden haben, obwohl wir alle sehr unterschiedliche musikalische Wurzeln haben.“

War es einfach, die räumliche Distanz zu überwinden? Oder hat euch die Musik grenzenlos gemacht? Wie oft kommuniziert ihr, wie funktioniert das Zusammenspiel?

CCK: „Nicht erst seit den technischen Möglichkeiten dieser Zeit, sondern vor allem auch als Musiker sind wir fähig, uns mit der Welt zu verbinden. Vieles geschieht unausgesprochen, nur in Gedanken daran. Die Musik als Sprache erleichtert es uns auch, wenn wir dann zusammen musizieren, uns schnell zu verständigen. Ich liebe diese Art der Kommunikation.“

JTK: „Dadurch, dass wir alle in verschiedenen Kontinenten leben, Badi in Brasilien, Jamey in den USA und wir beide in Europa müssen Konzertreisen und Proben gut geplant sein. Uns hilft aber, dass wir auch als künstlerische Leiter von Festivals und Konzertreihen tätig sind. Das gibt uns die Möglichkeit, auch unsere Musikerfreunde nach Europa zu holen, um uns auszutauschen und zusammenzuspielen.“

Ist es das erste Mal, dass ihr zwei Brüder gemeinsam ein Projekt macht? Wenn ja, warum so spät? Gibt es neue Seiten, die ihr an euch kennengelernt habt? Wie klappt die musikalische Verständigung?

CCK: „Seit Ende der 70ger Jahre singen bzw. musizieren wir zusammen auf Dutzenden Platten unserer Mutter Dorothée Kreusch-Jacob. Es gibt außer dieser Zusammenarbeit & unserem TWO WORLDS ONE-Projekt die „Melting Box“, eine gemeinsame Zusammenarbeit auch mit unserer Schwester der bildenden Künstlerin Carolina Camilla Kreusch, sowie verschiedene gemeinsam erarbeitete Film-Soundtracks. TWO WORLDS ONE ist die erste gemeinsame Platte & das erste gemeinsame Live-Projekt.“

JTK: „Seit früher Kindheit musizieren wir beide zusammen. Produzieren CDs gemeinsam und leiten Festivals. Aber unser gerade veröffentlichtes TWO WORLDS ONE – Album ist unser erstes wirklich gemeinsames Album, auf dem wir beide als Komponisten und Musiker gleichwertige Partner sind. Es ist das für uns längst überfällige Ergebnis unserer Jahrelangen Zusammenarbeit.“

Wie würdet ihr selbst den Musikstil des Albums bezeichnen?

CCK: „Ich finde, der Titel des Albums & des Projekts passt auch gut als Genre-Beschreibung. Sollte man wirklich Stile nennen wollen, würde man wahrscheinlich Jazz nicht sagen dürfen, Klassik nicht treffend finden, mit Weltmusik zu schwammig beschreiben, Crossover als Modebegriff abtun & Lounge nahbar finden. Die Mischung macht’s. Ich sehe eher Situationen, in den man das Album hören kann: Beim Blick in die Natur. Beim Schweifen der Gedanken. Beim Spüren in sich hinein. Beim Transatlantik-Flug. Beim Blick über New York. Bei der Nacht zum Tag.“

JTK: „Musikstile bezeichnen ja immer etwas schon Dagewesenes. Wir sind natürlich inspiriert von Musik und Klängen unserer Zeit – aber immer auf der Suche nach Neuem. Da kommt es auch mal vor, dass die Gitarre oder das Klavier präpariert werden, um neue Sounds zu entwickeln. Im Album- und Band-Titel steckt das Wort „World“ – unsere Musik hat sicher Anklänge an Weltmusik im weiteren Sinne, aber es soll auch ausdrücken, dass unserer beider ganz persönlichen Klangwelten mit diesem Album zum klingen kommen.“

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