FM237 Mulo Francel & Chris Gall Mythos

Mulo Francel & Chris Gall

Zwei schillernde Gestalten der europäischen Musiklandschaft treffen sich im Dialog.

Chris Gall hat wie kaum ein anderer deutscher Pianist in den letzten Jahren die Stilgrenzen des Jazz konsequent und originell erweitert und damit das Publikum vom legendären Jazzfestival Montreux bis zur JazzBaltica begeistert.

Mulo Francel ist Saxophonist und Weltenbummler. Darüber hinaus bekannt als kreativer Wirbelwind des Ensembles Quadro Nuevo. Seit vielen Jahren bereist der mehrfache ECHO-Preisträger spielend die Länder dieser Erde. Von Bayern über den Balkan bis Bolivien.

Zusammen schlugen sich Chris und Mulo in Buenos Aires die Nächte um die Ohren. Heraus kam das Album Quadro Nuevo: Tango, das mit dem German Jazz Award in Platin ausgezeichnet wurde. Im Duo präsentieren sie nun einen faszinierenden Kosmos aus virtuosen Improvisationen, hypnotisierenden Minimal-Music-Elementen, feinsinnigen Grooves, Neu-Deutungen klassischer Werke, zauberhaft-impressionistischen Klangbildern und atmosphärischen Balladen. Ihre Musik nährt sich von den Begegnungen mit den Menschen, ihren Kulturen, ihren Mythen.

Sie thematisiert den in Ikarus versinnbildlichten uralten Menschheitstraum vom Ausbruch aus dem eigenen Schicksal ebenso wie die Abenteuer des Aeneas auf der Suche nach einer neuen Heimat. Sie widmet sich mit Die 7 Weisen einer politischen Idee und nimmt mit Jesu bleibet meine Freude den für das Abendland wohl prägendsten Mythos wieder auf.

 

Hier begegnen sich zwei leidenschaftliche Ästheten, die sich in jeder einzelnen Melodie einander zuwenden.

Zwei Balladen-Spieler, die ihr Publikum mit samtenen Tönen durch die Nacht tragen.

Zwei Taucher im glitzernden Meer der Ideen.

 

Bereits in frühen Jugendtagen liefen sie sich mehrfach über den Weg. Spielten gemeinsam in Big Bands oder jammten im legendären Le Pirate Jazz Club im beschaulichen Voralpen-Städtchen Rosenheim. Sie verstanden sich, schätzen sich, hatten Spaß und tranken danach zusammen ein Bier an der Bar.

Dann verlor man sich für lange Zeit aus den Augen.

Chris Gall ging nach USA und machte als Stipendiat am renommierten Berklee College of Music seinen Abschluss. Das tägliche Aufeinandertreffen und musizieren mit Musikern aus aller Welt im Bostoner „Melting Pot“ ist bis heute Inspirationsquell und Grundstein seiner musikalischen Experimentierfreude. Wieder in Deutschland, veröffentlichte er mit dem „Chris Gall Trio feat. Enik“ zwei Alben auf dem Label ACT, bevor er seinen virtuos-expressiven Stil auf zwei Piano-Solo Alben bei GLM weiter verfeinerte. Mit seiner Faszination für vielfältige rhythmische Ausdrucksformen, zeitgenössischer Harmonik und seinem klassisch-geprägten Melodieverständnis schafft er neue Klangwelten.

Mulo Francel reiste mit Quadro Nuevo um den Globus. Bis in die hintersten Ecken der Welt. Über die Jahre entwickelte er seine ganz eigene authentische Spielvariante der World Music. Er gab weltweit über 4000 Konzerte, erhielt vielfach Preise wie den Europäischen Impala, den ECHO Jazz für den besten Live-Act und die Goldene Schallplatte für das Quadro Nuevo Album Mocca Flor. Das Magazin Kulturnews schrieb ihm den „derzeit sinnlichsten Saxophonsound Europas“ zu. Mulo Francels Saxophon erzählt Geschichten. Weit gespannte Melodiebögen geben eine Ahnung davon, wie sich weitherzige Extravaganz über die kleinteiligen Grenzen des Irdischen hinwegzusetzen vermag.

Und dann begegnete man sich wieder. Nach dem illustren Tango-Abenteuer in Argentinien hatten die beiden Musiker Lust auf mehr. Quadro Nuevo integrierte den Tastenzauberer immer wieder in seine Tourneen.

Während einer gemeinsamen Reise durch die griechische Ägäis beschloss man die mühevolle Besteigung des Kerkis, des höchsten Berges der Insel Samos. Von dort oben hatten sie Blick hinüber zum Eiland Ikaria und weiter südlich zur Inselgruppe Fourni.

Dazwischen funkelt unter gleißender südlicher Sonne das von den Griechen seit Alters her so genannte Ikario Pelagos: das Meer des Ikarus. Hier soll Ikarus auf seinem Flug in die Freiheit ins Wasser gestürzt sein. Unter diesem Eindruck entstand der Song Ikarus´ Dream und die Idee für das Album MYTHOS war geboren.

Francel und Gall sagen über ihre Musik:

“Das Kernthema, das unser Album trägt, birgt viel Inspiration. Aber natürlich auch die Gefahr des Pathos, vor der wir uns jedoch nicht fürchten. Außerdem mag unsere Freude, uns musikalisch die Bälle hin und her zu werfen, einen heiteren Ausgleich schaffen.”