Robert Keßler – LITTLE PEOPLE

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Beschreibung

Robert Keßler – Gitarre
Andreas Henze – Kontrbass
Tobias Backhaus – Schlagzeug

Think big! Größer, weiter, schneller! Wir sind es nicht mehr gewohnt, dem Kleinen eine Bedeutung zuzumessen. Für Details fehlt die ausreichende Aufmerksamkeitsspanne in den immer unübersichtlicher werdenden Bilderbergen und Geräuschkulissen, die sich vor uns auftürmen. Nuancen werden gar nicht mehr wahrgenommen, man erkennt sie nicht hinter den Filtern der Gegenwart oder wischt sie weg wie ein lästiges kleines Wesen.

„Little People“, das neue Album des Berliner Gitarristen Robert Keßler, kommt da zur rechten Zeit. Weil es die vor lauter Ablenkungen stumpf gewordenen Sinne aufs Wesentliche richtet und zum Hinhören verführt: Etwa auf den wohlig-warmen Ton des Holzes von Keßlers Archtop-Gibson ES-175 aus dem Jahr 1963. Oder auf das enorm konzentrierte und den minimalsten musikalischen Gesten des jeweils anderen Beachtung schenkende Zusammenspiel von Keßler, Kontrabassist Andreas Henze und Schlagzeuger Tobias Backhaus. Und nicht zuletzt auf die Kompositionen, die in ihrem Verlauf wachsen und zu voller Pracht gedeihen wie behutsam zum Sprießen gebrachte Samenkörner.

Die Stücke auf „Little People“ sind in der Tat das Ergebnis eines langen Reifeprozesses. Manche davon trägt der 1984 in Jena geborene Gitarrist schon seit Teenagertagen in Kopf und Herz mit sich herum. So ist das an Bill Frisells Americana-Magie gemahnende „Le Pull Vert“ beispielsweise die erste Komposition, die Keßler jemals geschrieben hat. „Da muss ich 14 oder 15 gewesen sein. Mir fiel die Melodie ein, als ich auf dem Fahrrad zur Schule fuhr“, erinnert sich der inzwischen dreifache Vater mit einem Lachen.

Und auch hinter „Für Hanns“ versteckt sich eine sehr persönliche, bis in die Kindheit zurückreichende Geschichte. Die Komposition ist Keßlers Großvater gewidmet, der als Pfarrer in der DDR wirkte. „Er war ein toller Typ, sehr gebildet und trotzdem super bodenständig. Ich habe ihn sehr geliebt“, sagt der Enkel, dessen Art zu musizieren viele Wesensähnlichkeiten mit dem Opa offenbart: Da ist einerseits eine beeindruckende Mehrsprachigkeit zu verzeichnen, die das gesamte Vokabular der Jazzgitarre von Jim Hall und Kenny Burrell bis hin zu Pat Metheny oder Kurt Rosenwinkel, bei dem Keßler studierte, umfasst. Die zwei auf „Little People“ zu vernehmenden Interpretationen der Standards „Nobody Else But Me“ und „My Ideal“ legen davon formvollendet Zeugnis ab. Ebenso deutlich ist bei Keßler, der von Sting und Eric Clapton initial geprägt wurde und beruflich schon u.a. mit Udo Lindenberg, Felix Jaehn oder Herbert Grönemeyer zu tun hatte, auch eine unbefangene Offenheit für jazz-entfernteres Pop-Material zu verzeichnen.

Andererseits spürt man in jedem Ton, den der Gitarrist anschlägt, eine große Demut und Bescheidenheit. Das Format des Trios erlaube es ihm eigentlich, sich unglaublich viel herausnehmen zu dürfen, erklärt der seit 2017 als Musikhochschulprofessor tätige Berliner. „Aber ich kann Musik nicht so gestalten, dass sie ausschließlich auf mich zugeschnitten ist. Es geht immer um den Song. Musik braucht kein Ego.“

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