Le Bang Bang – Pure

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Beschreibung

Stefanie Boltz Vocals
Sven Faller Kontrabass

 

Stellen Sie sich eines jener übersichtlichen Gemälde aus modernen Zeiten vor, bei deren Anblick rustikale Geister gern „ist das Kunst oder kann das weg?“ fragen. Und trotzdem stehen Leute davor, in Gedanken versunken, ihrer Fantasie wunderbar ausgeliefert, lächeln beseelt und wollen gar nicht wieder gehen. Ähnliche Szenen könnten sich auch vor Bühnen abspielen, auf denen Stefanie Boltz und Sven Faller ihren Passionen frönen. Wo sie fest davon überzeugt sind, dass Musik die besten Überlebenschancen hat, wenn sie archaisch sich präsentiert. Wenn sie also, wie bei Le Bang Bang, dem Projekt der beiden, sich auf eine Stimme und einen Kontrabass und sonst nichts verlässt.

Was sich für manchen auf dem Papier vielleicht erstmal unheimlich anstrengend anhört, ist in Wahrheit eine kleine Offenbarung. Vielleicht gar eine große. Nicht nur, aber auch für die Musiker. „Die Entstehung unserer Band und letztlich auch ihre Namensgebung“, sagt Stefanie Boltz, „sind das Resultat eines Aha-Effektes.“ Sven Faller nickt, „wir können in dieser Besetzung sofort reagieren. Da ist nur eine weitere Person, eine totale Nähe und ein riesiges Vertrauen, weil wir uns komplett aufeinander verlassen. Da wird Musik in jedem Moment von allen Beteiligten gestaltet.“

Auch von den Zuhörern übrigens, in deren Fantasie sich ob des angebotenen Weißraums dank der fehlenden popmusikalischen Verkleisterung auf einmal Projektionsflächen ergeben. Das Album „Pure“ der zwei ihrer Passion erlegenen Musiker geht hier, wie Sven Faller sagt, nochmals einen Schritt weiter als seine Vorgänger: „Früher gab es häufiger mal einen Backbeat und hier und da Füllmaterial, so wie im Popsong ja auch ein Groove von Anfang bis Ende durchläuft. Solche klassischen Parameter lassen wir inzwischen weg, weil wir sie auch nicht brauchen, der Hörer ist in der Lage, das in seiner Fantasie zu addieren.“

Boltz und Faller spielen zwar auch grandiose Eigenkompositionen, den weitaus höchsten Überraschungseffekt aber haben ihre Coverversionen, von Nat Adderleys „The Old Country“ über Cindy Laupers „Time After Time“ bis hin zu Tom Waits’ „San Diego Serenade“ oder Walter Donaldsons „Makin’ Whoopee“. Deren Auswahl, so Stefanie Boltz, erfolge „wahnsinnig unkonzeptionell. Entweder sind das Stücke, die wir schon lange mal spielen wollten, die wir intuitiv passend zum momentanen Stand der Bandentwicklung finden. „Time after Time“ etwa war lange unsere Zugabe, und als die Leute fragten, wo es das denn als Aufnahme gebe, haben wir beschlossen, es mit aufs Album zu nehmen.“ Die Coverversionen aber formen auch das, was als Idee hinter dieser Band steht.

„Ich habe oft erlebt, dass sich eine Jazzband ein Stück aus dem Pop vornimmt, es zerlegt und dann überlegt, wie man was Hippes draus machen könnte“ so Sven Faller. „Das ist das genaue Gegenteil unserer Methode. Wir gucken eher, was für ein Stück wirklich wichtig ist. Früher haben wir „Here Comes The Sun“ gespielt, wo jeder sofort an das Gitarrenriff denkt, das wir aber gar nicht zu bieten haben. Also müssen wir fragen: Was braucht dieses Stück wirklich? Eine herrliche Befreiung von Arrangements, die bisher jeder für genau das hielt, was ein Stück am Ende ausmacht. Stimmt aber oft gar nicht.“

Im Grunde ist das ungemein Innovative der Musik von Le Bang Bang gar nicht für ein Album gemacht. Ein Kontrabass und eine Stimme suchen ziemlich erfolgreich ein Orchester und einen Chor zu ersetzen, na gut – das will man sehen und miterleben und nicht nachmittags zu Tee und Gebäck Freunden servieren, die sich vom Formatradio ausreichend bedient wähnen. Das Album musste trotzdem kommen, wie Sven Faller glaubt. „Da muss man ganz dringend sagen, wie wir das Album aufgenommen haben.“

Er räuspert sich und ringt um den nächsten Satz. „Im Grunde ist das ein Live-Album – und auch wieder nicht. Wir haben uns live unheimlich weiterentwickelt, bis wir merkten, dass wir das auf unseren Studioalben noch gar nicht repräsentierten.“ Die Energie der Konzerte und überhaupt der Situation, auf Tour zu sein, habe da gefehlt. „Das wollten wir jetzt einfangen und haben uns ein paar Venues ausgesucht, wo wir nach den Konzerten blieben und im gleichen Spirit und Sound aufnahmen. Und jetzt entspricht das Album fast 1:1 dem, was in unseren Konzerten zu hören ist.“ Heißt also, dass etwa „Time after Time“ diesen Freitag sich nicht wesentlich von der Version am Freitag darauf unterscheidet? Faller winkt ab, „doch, das schon. Die Stücke unterscheiden sich von Tag zu Tag enorm. Die Routine einer normalen Tourband haben wir durch unsere Besetzung ja von vornherein ausgeschlossen. Deshalb auch die Nacktbilder auf dem Cover, wir gehen im Grunde nackt auf die Bühne. Keines unserer Stücke ist festgelegt, wir können absolut nichts perfekt Einstudiertes abrufen.“

Das ist uns auch aufgefallen, und zwar ausschließlich positiv. Natürlich ruft Le Bang Bang allzu gängige Klischees wach und möchte man am liebsten mit der alten Binse ’weniger ist mehr’ jetzt enden. Die aber funktioniert hier so nicht. Es müsste vielmehr heißen ’noch weniger ist alles’. Oder noch viel mehr.

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