Geschrieben am

Happy-Release-Day: Gregor Hübner – El Violin Latino Vol. 3: Los Soñadores

Heute erscheint Gregor Hübners El Violin Latino Vol. 3: Los Soñadores

Als Geiger ist man – Stephane Grappelli hin, Didier Lockwood her – im Jazz immer ein Exot. Was den Vorteil hat, dass man auch exotische Dinge machen und dafür weiter über den Jazz-Tellerrand hinausblicken kann als andere Instrumentalisten. Gregor Hübner ist dafür das perfekte Beispiel. Aus einer Geiger-Dynastie stammend, ist der 51-jährige Stuttgarter natürlich klassisch ausgebildet, und das immerhin in Stuttgart beim berühmten Gerhard Voss vom Melos Quartett und in Wien. Früh interessierte er sich aber auch schon für freieres Musizieren, und so studierte er anschließend Jazz an der Manhattan School of Music. Seitdem, also inzwischen seit mehr als 20 Jahren, hat Hübner seinen Hauptwohnsitz in New York, auch wenn ihn Konzerte, Kooperationen und Lehraufträge – seit einiger Zeit ist er Professor an der Münchner Musikhochschule – immer wieder in die Heimat ziehen.

In den USA entstanden aber nicht nur die meisten seiner vielbeachteten Jazzprojekte (vom Trio mit Richie Beirach bis zur Zusammenarbeit mit Uri Caine oder Daniel Schnyder) und das Sirius Quartet, sein weltweit gefeiertes, für eine genreverbindende moderne Kammermusik gefeiertes Streichensemble. Dort bot sich auch das Terrain für Studien zur lateinamerikanischen Musik, die Hübner ebenfalls schon sehr früh fasziniert hat – noch als Schüler in Stuttgart hatte er unter anderem mit seinem Bruder Veit die Gruppe „Tango Five“ gründet, die als Spaßband Berta Epple bis heute besteht. Die intensive Beschäftigung mit Tango, Rumba, Samba und Co und die Begegnungen mit dessen herausragenden Stilisten kulminierte 2010 in dem von der Kritik wie vom Publikum begeistert aufgenommenen Album „El Violin Latino“. Als erster erforschte Hübner darauf die Rolle der Violine in der traditionellen Lateinamerikanischen Musik und stellte Standard-Arrangements eigene Kompositionen gegenüber. Noch einen Schritt weiter ging 2015 die Fortsetzung des Projekts: mit einer brasilianischen, einer argentinischen und einer kubanischen Band ließ Hübner die wichtigsten Stränge der Latin Music kontrastreich und in neuen Konstellationen aufleben.

Endlich folgt nun nach längerer intensiver Vorbereitung der dritte Streich: „El Violin Latino Vol. 3: Los Soñadores“ konzentriert sich, wie schon der Titel verrät, ganz auf Kuba und seinen musikalischen Kosmos des Son. Aber natürlich auf ungewohnte, aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtete Weise. So entpuppt sich schon der im klassische entspannten Bolero-Groove daher rollende Opener als John Coltranes Klassiker „Equinox“. Perkussiver und zugleich melancholischer wird es mit Pedro Florez‘ Klassiker „Obsesión“, der auch die famose, aus Curaçao stammende Sängerin Yumarya einführt. Zurück in die späten Neunzigerjahre, als er Mitglied in Johnny Almendras Kult-Combo Los Jovenes Del Barrio war, führt Hübener den Hörer  mit „Zapato Apretao“: Das Stück greift die Tradition der Charangas auf, der mittelgroßen, aus den „Orquesta tipica“ hervorgegangenen, stark vom Son beeinflussten kubanischen Ensembles der Vierzigerjahre. Man darf ohne Scheu an den Buena Vista Social Club denken.

Doch Hübner bildet natürlich ein viel breiteres Spektrum der kubanischen Musik ab. Mit seinem „Cuban Blues“  hat er Yumarya einen verzinkten, modernen Son auf den Leib geschrieben; das vom Schlagzeug eingeführte „South Sudan“ veranschaulicht ebenso wie „Yoruban Fantasy“ rhythmisch wie harmonisch die afrikanischen Wurzeln der kubanischen-afrokaribischen Musik. Nicht unterschlagen wird auch, dass der Son nie im luftleeren Raum stand und immer auch gesellschaftliche Phänomene aufgriff und das Zeitgeschehen spiegelte. Hübner knüpft daran mit zwei eigenen Kompositionen an, dem im eindrucksvollen Duo mit dem kolumbianischen Harfenisten Edmar Castaneda gespielten „Para Un Mejor Mundo“, vor allem aber mit dem Titelstück „Los Soñaderos“: Es ist ein bewegendes musikalisches Bekenntnis zu den sogenannten „Dreamers“, den Kindern illegaler Immigranten ind en USA, deren Lage unter der Trump-Administration ungewisser denn je ist. Der Filmemacher Richie Briñez hat dazu auch ein ergreifendes Video gemacht.

Natürlich wäre Hübners Projekt halb so eindrucksvoll ohne seine vertraute, blind harmonierende Band: Pianist Klaus Mueller lässt die Läufe perlen und die Akkorde donnern; Jerome Goldschmidt und Ludwig Afonso sind am Schlagzeug die Herrscher über alle Latin-Rhythmen, Louie Bauzo ihr Pendant an Perkussion; der aus Puerto Rico stammende John Benitez lässt am Bass und Perkussion keine Zweifel an seiner Meisterschaft. Mit Buey Viejo“ geht es zum Schluss gemeinsam zurück zum ersten „El Violin Latino“-Album“. Ganz gemächlich im Clave schwelgend kommt die wahrlich schöne Reise mit dem wieder aufgegriffenen Stück an ihr Ende, getragen auch von der Stimme der Poetin Mappy Torres. Sie war für Gregor Hübner von Anfang an eine der großen Inspirationsquellen für sein „El Violin Latino“-Projekt. Anfang dieses Jahres ist sie gestorben – so ist „Los Soñadores“ jetzt ihrem Andenken gewidmet.

Das Album können Sie selbstverständlich ab heute bestellen, in Lieblings-Plattenladen (wir hoffen sehr, ihr habt noch einen) einsammeln oder bequem per iTunes / Apple Music / Spotify etc. downloaden und streamen!

Hier gehts zum neuen Album: http://smarturl.it/sonadores

Geschrieben am

Happy-Release-Day: MARIE UND JEAN-CLAUDE SÉFÉRIAN – Un homme et une femme – Melancholie und Eleganz der französischen Filmmusik

Heute erscheint das neue Album “Un homme et une femme “

Die Kultfilme der Nouvelle Vague, die zwischen 1950-1970 aus Frankreich kamen, haben Musikgeschichte geschrieben. Große Komponisten wie die Oscarpreisträger Michel Legrand und Francis Lai sowie Charles Aznavour kreierten Chansons, deren Melodien fest im französischen Kulturgut verankert sind.

Marie und Jean-Claude Séférian lassen in ihrem Programm „Un homme et une femme“ die Melancholie und die Eleganz der französischen Filmmusik wieder voll und ganz aufblühen. Musik, die Sehnsucht nach Vergangenem weckt und gleichzeitig das ewig währende Thema der zwischenmenschlichen Beziehungen thematisiert, wird wieder zum Klingen gebracht. Originalgetreu und trotzdem mit überraschen frischen Arrangements werden Vater und Tochter von der Pianistin Christiane Rieger begleitet.

Das Album können Sie selbstverständlich ab heute bei uns bestellen, in Lieblings-Plattenladen (wir hoffen sehr, ihr habt noch einen) einsammeln oder bequem per iTunes / Apple Music / Spotify etc. downloaden und streamen!

Hier könnt Ihr das neue Album bestellen: http://smarturl.it/unhommeetunefemme

Geschrieben am

KURZ NACHGEFRAGT: Heute bei Jean-Claude Séférian

♪ Was ist Deine Lieblingsnummer der neuen CD?

♫ Les parapluies de Cherbourg. Die Intensität des musikalischen Dialoges in diesem Film lässt mich jedes Mal Vibrieren. Michel Legrand ist für mich der beste Filmkomponist aller Zeiten.

♪ Auf welcher Bühne würdet Ihre gerne die Chansons präsentieren? Olympia Paris? Admiralspalast Berlin?…

♫ Ja, das Olympia in Paris wäre grandios. Es ist ein mystischer Ort für Chansonsänger.

♪ Was hat Euch angetrieben, dieses Programm zu erarbeiten?

♫ Meine Begeisterung für Filmmusik ist schon seit meiner frühesten Jugend ein Teil meiner musikalischen Entwicklung. Oft passierte es mir, dass ich nach dem Filmbesuch unfähig war, die Handlung wiederzugeben, weil mich die Musik so beeindruckt hatte. Und dann kommt auch noch die Freude an der Zusammenarbeit mit Marie hinzu, mit der ich schon seit 15 Jahren ein Crossover Weihnachtsprogramm (Chansons, Jazz, Klassik, Pop, Musical, Traditionals) mache.

 

Hier könnt Ihr das neue Album bestellen: http://smarturl.it/unhommeetunefemme

Geschrieben am

GLM-KÜNSTLER VERRATEN EUCH IHR LIEBLINGSREZEPT UND EMPFEHLEN DIE PASSENDE MUSIK DAZU

Unsere Rezept-Reihe geht weiter: Heute mit Jean-Claude Séférian: Cake d’amour !

Die Frage nach einem Rezept hat mich in große Verlegenheit gebracht, denn ich gehöre zu den Männern, die zwar gerne essen, aber bisher mit der Herstellung desselben nur minimale Erfolge gehabt zu haben.
Umso begeisterter war ich, als wir neulich in Paris das Musical „Peau d’âne“ von Michel Legrand sahen und das Hauptlied darin tatsächlich ein gesungenes Rezept war und zwar für einen Cake d’amour. Das klingt doch vielversprechend, oder?
Hier ist es: https://youtu.be/HGFLyfJlxp4

Leider werden die wenigsten damit was anfangen können. Nicht nur die französische Sprache stellt ein Problem dar, die märchenhafte Vorlage des Musicals von Charles Perrault entspricht auch nicht ganz den heute üblich präzisen Angaben über Mengen und Zeiten. Wer nimmt heutzutage schon eine Hand voll Butter als Mass?
Deshalb habe ich meine Begleiterin am Klavier und im Leben gebeten, das Rezept zu aktualisieren und zu präzisieren.

Hier kommt Christianes „Cake d’amour“:

  • 500 g Mehl und eine Prise Salz in eine Schüssel füllen
  • 150 ml Milch lauwarm erhitzen und einen halben Würfel frische Hefe darin auflösen
  • Alles zusammen mit 3 Eiern vermischen und 1 Stunde an einem warmen Ort ruhen lassen.

    Süss muss nur ein Löffel Honig und 150 g Butter zugefügt werden. Ich habe noch etwas Hagelzucker oben drauf gestreut.
    Pikant sind Eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt:

  • Speck
  • Walnüsse
  • Kräuter wie Rosmarin
  • Salz, Pfeffer
  • Zwiebel ……
  • Alles gut zu einer homogenen Masse kneten und über Nacht den Teig im Kühlschrank ruhen lassen.

    Am nächsten Morgen in eine beliebige gefettete Form füllen und den Backofen auf 200° vorgeheizen.

    Jetzt kommt die märchenhafte Komponente:
    In dem Musical bäckt die Prinzessin, die durch eine böse Stiefmutter mit einem Eselsfell niedere Dienste tun muss, ihren Ring in den Kuchen für den Prinzen und da dieser Ring nur ihr selber passt, erkennt der Prinz in ihr seine zukünftige Gemahlin.
    Also, was immer Ihr als Überraschung in den Kuchen stecken wollt, einen Brilli vielleicht, nur zu.
    Ca. 60 Min. backen lassen und fertig ist der „Cake d’amour“.

    Wer mehr Musik von dem genialen Michel Legrand hören möchte, dem empfehlen wir natürlich unsere neueste CD „Un homme et une femme“.

    Und hier findet ihr die Musik dazu von Marie und Jean-Claude Séférian:
    http://smarturl.it/unhommeetunefemme

    Hier gehts zur Künstlerseite bei GLM: https://www.glm.de/kuenstler/marie-jean-claude-seferian/

    Geschrieben am

    KURZ NACHGEFRAGT: Heute bei Ecco Meineke

    ♪  Was ist Eure Lieblingsnummer auf der CD?

    ♫ Ich persönlich mag die “Pastinaken-Polka” am liebsten. Wo immer wir sie spielen,
    gibt es heftigen Applaus. Der allgemeine systematische mediale Hype um Migranten
    und Flüchtlinge geht doch mehr Menschen auf die Nerven, als man denkt.
    Es freut mich auch, dass es noch genügend Publikum gibt, das politische satirische
    Texte gut und wichtig findet.

    ♪  Auf welcher Bühne würdet Ihre gerne die Chansons präsentieren? Olympia Paris? Admiralspalast Berlin?…

    ♫ Hah, natürlich Paris, ein französisches Lied von mir ist ja immerhin auf dem Album,
    Ein Charles Aznavour-Chanson in deutscher Bearbeitung ebenso.
    Als ich mit meine “Ecco DiLorenzo Jazz Quartett” im “Caveau de la Huchette” auftrat,
    gab ich sein formidables “Formidable” zum Besten.
    Aber nun ersthaft:
    Ich wäre schon echt froh, beim Nürnberger Bardentreffen dabei sein zu dürfen, bei
    “Songs an einem Sommerabend” in Kloster Banz oder in der “Bar jeder Vernunft” in Berlin.

    ♪  Was hat Euch angetrieben, dieses Programm zu erarbeiten?

    ♫ Ich hatte einfach so viele schöne Lieder in der Schublade, die nur für dieses
    Genre geignet sind. Und es macht einfach Spass, wenn ab einem gewissen Alter
    die Hit-Jagd fragwürdig wird und man sich besinnt, ob es nicht Zeit wäre, auch
    mal ernsthafte und persönliche Texte zu hinterlassen.